Bevor wir das „warum“ klären, müssen wir erst einmal das „was“ erklären. Was ist das Barebow schießen? Es hat nichts mit intuitivem Schießen zu tun, obwohl Intuitivschützen generell auch Barebow-Schützen sind. Grundsätzlich ist mit „Barebow“ das Bogenschießen ohne Visier und mechanische Lösehilfe gemeint.

In den Anfängen waren eigentlich alle Barebow-Schützen Intuitivchützen. Doch mit immer größer werdendem Wissen und immer besseren Materialien entstanden verschiedene Schießmethoden, mit denen sich das Ziel besser treffen ließ. Es wurden Auszugskontrollen entwickelt, die einen konstanten Auszug und ein gleichmäßiges Schießen sicherstellen sollten. Für bekannte Entfernungen brachten mehrere Ankerpunkte (Barebow-Facewalking) einen Vorteil gegenüber dem intuitiven Schießen. Mit modernen Pfeilnocken war es nicht mehr nötig, den Pfeil mit den Fingern auf der Sehne zu halten, wodurch das sogenannte Barebow-Stringwalking geboren wurde. Als Ergebnis dieser innovativen Entwicklungen mussten nun Regeln erstellt werden, die klarstellen, was bei Wettkämpfen erlaubt ist und was nicht. Jeder Bogenverband schuf Stilarten auf Basis der Materialien, die der Markt zur Verfügung stellte. Das heißt, wenn es genug Schützen einer Stilart gab, die sich miteinander messen wollten, und diese Stilart sich hinreichend von existierenden unterschied, wurde sie als eigene Stilart in die Regelwerke aufgenommen und war für offizielle Meisterschaften zugelassen.

Die unterschiedlichen, weltweit agierenden Bogenverbände haben untereinander geringe Unterschiede in der Definition des Barebow-Schießens. In einem sind sie sich allerdings alle einig: Kein Visier und keine Lösehilfen.

Die Grundregeln eines Barebow-Bogens lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Bogen, Pfeile, Sehnen und Zubehör müssen frei von Zielmarken, Visiereinrichtungen, Markierungen oder Laminierungen sein, welche zum Zielen verwendet werden können.
  • Die Benutzung einstellbarer Pfeilhalterungen zur Kontrolliere des Abstandes zwischen Pfeil und Bogenfenster ist zulässig.
  • Die Verwendung von Stabilisatoren ist zulässig.
  • Nur ein fester Nockpunkt ist zulässig. Er kann durch 1 oder 2 Klemmringe (o.ä.) begrenzt werden.
  • Außer einer auf dem Bogen montierten, sich über den Pfeil jedoch nicht hinaus (zum oberen Wurfarm hin) erstreckenden, justierbaren Auszugs- und/oder Niveaukontrolle, ist die Verwendung mechanischer Vorrichtungen nicht zulässig.
  • Alle verwendeten Pfeile müssen in Länge, Gewicht, Durchmesser, Befiederung und Nocke, ungeachtet ihrer Farbe, unter Berücksichtigung von Verschleiß identisch sein.
  • Face- und Stringwalking ist erlaubt.

Ungeachtet aller Verbände gibt es zwei allgemeine Regeln des Barebow-Schießens:

  • Jegliche Art von Zieleinrichtungen am Bogen oder der Sehne sind nicht erlaubt.
  • Die Sehne wird mit der Hand gezogen, mit Schießhandschuh oder Tab.

Die Antwort, warum wir Barebow schießen, ist zugegebenermaßen etwas subjektiv. Barebow-Schützen sind in aller Regel nicht an möglichst hohen Ergebnissen interessiert. Viele schießen nur aus Spaß an der Freude. Bei Wettkämpfen schießen viele Barebow-Schützen den gleichen Stil, den sie auch für die Bogenjagd verwenden (wenn sie jagen), oder es ist ihnen einfach zu teuer, das Geld für Visier, Release oder die teuren Hightech-Bögen auszugeben. Andere Barebow-Schützen lehnen das Hightech-Bogenschießen schlicht ab; sie sind Traditionalisten. Es gibt mindestens so viele Gründe Barebow zu schießen, wie es Barebow-Schützen gibt.

Skeptiker werfen uns vor, da es weniger Barebow- als Freestyle-Schützen gibt, wären wir nur Medaillenjäger. In verschiedenen Runden kommt dies immer wieder zur Sprache. Wenn man aber die Barebow-Schützen fragt, wie ihr Anfang im Bogenschießen war, wird man erkennen, dass sie schon sehr lange Zeit Barebow schießen. Sie kommen selten aus einer anderen Stilart, und haben schon gar nicht gewechselt, weil es einfacher sei zu gewinnen. Barebow-Schießen ist keine technische, sondern vielmehr eine geistige Herausforderung. Wie und wohin ziele ich, und wie und wann löse ich; es gibt kein Visier und Release das einem das abnimmt. Mit anderen Worten, es gibt keine Hilfsmittel, die einem das Denken, Zielen und Lösen erleichtern. Wenn man an den 45 Yards Pflock geht, muss man nachdenken, welchen Abgriff oder Stich man nimmt, welchen Ankerpunkt oder wie weit man an der Sehne nach unten abgreifen muss.

Die Antwort auf die Frage, warum wir Barebow schießen, ist einfach: Für deine persönliche Befriedigung gibt es kein größeres Ziel, als ohne Visier und Lösehilfe zu treffen. Barebow-Schützen haben mehr Spaß an der Sache. Sie lachen über einen schlechten Schuss, da es ein „Bedienerfehler“ war, denn sie können sich nicht hinter Ausreden wie „mein Visier war locker“, „die Sonne schien in mein Scope“, „mein Release hakte“, oder anderen Ausreden verstecken.

Versuche es einfach mal, es macht unheimlich Spaß und du wirst es lieben.